ÜBERZWERG EXTRA: Der andere Kästner

Ein Leseabend
Von und mit Katharina Fiedler und Fred Woywode

Erich Kästner, der Kinderbuchautor, der mit „Emil und die Detektive“ oder „Pünktchen und Anton“ Welterfolge feierte. Kästner war aber mehr, viel mehr: Ein politischer Autor. Ein scharfsinniger Beobachter und scharfzüngiger Kritiker seiner Zeit. Geboren 1899. Eingezogen zum Dienst an der Waffe mit 18. In erschütternden Gedichten hat er seine Erfahrungen verarbeitet. Hat nach dem Ende des 1. Weltkriegs versucht, vor erneuten Waffengängen zu warnen. „Kennst Du das Land wo die Kanonen blühen“, fragte er die Deutschen. Sie kannten es. Aber nicht wenige brannten darauf, einen neuen Weltbrand zu entfachen.
Die Nationalsozialisten nahmen sich des Störenfrieds Kästner an. Warfen seinen Roman „Fabian“ ins Feuer. Kästner stand dabei, als in Berlin die Flammen loderten. Aber er verließ Deutschland nicht. Ging nicht ins Ausland. Er blieb, harrte aus. Schlängelte sich durch.
Warum? Das wurde er in seinem Leben wieder und wieder gefragt. Weil er gebunden war. An eine Frau. Unzählige Frauen kreuzten seinen Weg bei nächtlichen Streifzügen durch Bars und Tingeltangelbuden. Einer einzigen aber hielt er die Treue. Der Mama, seiner Mama. Tag für Tag schrieb er ihr Briefe, Postkarten, schickte Geld und seine Wäsche sowieso. In all seinen Beziehungen war die Mama präsent, hat es „gut gemeint“, dem Sohn das Leben versüßt. Und letztendlich versaut.
Einen – durchaus auch vergnüglichen - Abend lang beschäftigen sich Katharina Fiedler (Journalistin) und Fred Woywode (langjähriger Schauspieler am Saarländischen Staatstheater) mit dem anderen Kästner, dem Romanschreiber, dem Mahner und Warner, dem eine ebenso große Achtung gebührt wie dem Kinderbuchautor.
 

Termine
Freitag, 09. März 2018 - 19:30